Sprachfähig

Ein Blog über die Tücken der politischen Kommunikation

Die beschädigte Bundespräsidentenwahl, Teil 2

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Wenn Machtfragen Überzeugungen verdrängen, dann ist Demütigung das Ergebnis. So zu besichtigen heute bei der Bundesversammlung. Warum um Himmels Willen musste die Regierung mit einem mittelmmäßigen Kandidaten unbedingt ein Exempel ihrer Handlungsfähigkeit demonstrieren wollen? Wäre er im ersten Wahlgang gewählt worden, wäre er als Mittel zum Zweck schon gleich zur Nebensache geworden, kein glanzvoller Sieg wäre das gewesen, oder jedenfalls keiner für ihn, sondern für Angela Merkel. So aber fiel er trotz massiven Drucks auf die Wahlmänner der Koalition gleich zwei mal durch. Glanzvoll wird das für niemanden mehr.

Wenn er jetzt im dritten Wahlgang die Mehrheit hat, dann liegt das am Wahlverhalten der Linkspartei. Ein konservativer Kandidat von Gnaden der Linkspartei. Wie ist denn das, bitteschön zu vermitteln?

Die Einzige Chance, Würde zurück zu erlangen bestünde für Wulff im Verzicht auf die Kandidatur.

Update

Nun haben wir also einen neuen Bundespräsidenten, der nicht nur in der Presse immer wieder als „dritte Wahl“ bezeichnet wird. Ausgeschlossen ist es nicht, dass Bundespräsident Wulff sich ein Renommée erarbeitet und sich von den Umständen seiner Wahl befreien kann. Aber ausgeschlossen ist, dass er dies tut und gleichzeitig die Aufgabe erfüllt, die Angela Merkel ihm zugedacht hat. Sanftmütigkeit kann sein Rezept nicht sein, denn Sanftmütigkeit beantwortet nicht die drängenden Fragen, die die Öffentlichkeit an den Inhaber des Amtes stellt.

Die Öffentlichkeit will quasi eine Verkörperung unserer Verfassung im Amt sehen, jemanden, der ihr sagt welche Aufgaben uns heute aus ihr erwachsen. Und das in einer Zeit, in der nicht wenige Menschen das Gemeinwesen und die es tragenden Grundwerte der Freiheit und der Solidarität bedroht sehen.

Deshalb wirkt auch die rhetorische Sedierung nach Art einer Angela Merkel nicht mehr beruhigend, sondern im Gegenteil sie wird im zunehmenden Maße selbst zum Gegenstand der Besorgnis. Man fragt sich ob sie wirklich glaubt was sie sagt, und wenn ja, wie sie wohl Probleme zu lösen vermag, die sie nach der eigenen Wahrnehmung so gewaltig unterschätzt.

Ich bin sehr gespannt, wie Bundespräsident Wulff die Aufgabe angeht, welche Haltung er entwickelt, wie er Statur gewinnt.

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Written by Maritta Strasser

30. Juni 2010 um 5:26 pm

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