Sprachfähig

Ein Blog über die Tücken der politischen Kommunikation

Kopfpauschale und PKV

with one comment

Warum besteht die FDP so hartnäckig auf ihrer Idee einer Kopfpauschale? Ich benutze diesen Begriff und nicht „Prämie“ oder „Zusatzbeitrag“, weil der Kern des Gedankens ja die Einheitlichkeit pro Kopf ist, unabhängig vom Einkommen. Warum also diese Umverteilung der Lasten von oben nach unten, die der Intuition von Gerechtigkeit der allermeisten Menschen, gerade auch derer die es nicht so knapp haben, widerspricht? Dass ärmere Menschen, die jetzt schon überproportional die Last verschiedener Sozialreformen tragen müssen, die in der Einkommensentwicklung die größten Zugeständnisse machen mussten und den geringsten Spielraum haben, dass diese Personen finanziell belastet werden, kann als sicher gelten. Denn der so genannte Ausgleich über Steuern wird bestenfalls ein Teilausgleich sein. Und gerade arme Rentner und Familien zahlen eh kaum Steuern.

Wenn die Umverteilung von unten nach oben nicht der Zweck der ganzen Veranstaltung ist, kann es eigentlich nur der Schutz des PKV-Systems sein. Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Nun, ganz einfach: Bei Menschen die mit ihrem Einkommen knapp über der Beitragsbemessungsgrenze liegen, verändert die Kopfpauschale die Erwägung möglicherweise zugunsten eines Wechsels.

Ich hatte zwei mal in meinem Berufsleben bisher diese Situation: Ich hatte die Pflichtversicherungsgrenze knapp überschritten und die Möglichkeit, in die PKV zu wechseln oder mich freiwillig weiter in der GKV zu versichern. Damals habe ich vor der PKV vor allem deshalb zurückgeschreckt, weil ich eine Frau bin und mir eine ungünstige Prämienentwicklung im Alter droht. Bei der gesetzlichen dagegen richtet sich der Beitrag nach meiner späteren Rente. Oder richtete, muss man heute sagen. Denn seit Rösler tut er das nicht mehr. Das verändert die Abwägung doch ganz erheblich, vor allem wenn man sich vorstellt wie sich diese Prämien noch entwickeln können.

Meine als Teil der Altersvorsorge getroffene Entscheidung für die GKV wurde also von der Politik durchkreuzt. Auch wenn ich angesichts von Freundinnen, die ihre Entscheidung für die PKV jetzt schon bitter bereuen, weil sie massive Prämiensteigerungen hinnehmen müssen die Entscheidung vielleicht heute dennoch wieder so treffen würde, fühle ich mich doch betrogen. Es ist für meine Generation einfach nicht möglich, vernünftig für das Alter zu planen.

Den Krankenkassen und ihren Preisentscheidungen im Alter nicht hilflos ausgeliefert zu sein, das war mein Hauptmotiv für die Entscheidung für das System der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Politik sorgt dafür, dass es jetzt kein System mehr gibt, was einem diese Sicherheit bieten kann. Das ist aus meiner persönlichen Sicht der eigentliche Aufreger.

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Written by Maritta Strasser

7. Juli 2010 um 9:21 am

Eine Antwort

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  1. Wirklch sehr informativ! Werde aufjedenfall wieder kommen. Danke fuer den Beitrag.

    Gruss
    Andres

    nachrichten

    15. Juli 2010 at 3:56 pm


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