Sprachfähig

Ein Blog über die Tücken der politischen Kommunikation

Archive for the ‘Grundlagen’ Category

Deutsch-Propaganda, Propaganda-Deutsch

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Liebe Leserinnen und Leser, ich möchte euch auf ein sehr interessantes Wörterbuchprojekt hinweisen. Mathias Priebe möchte das neue Standardwerk der Sprachhygiene mit Hilfe der Internet-User zusammenstellen. Auf dass Unwörter wie „alternativlos“ und deren viele Brüder und Schwestern entlarvt und in ihrer wahren Bedeutung aufgedeckt werden. Mehr dazu hier.

Eine Idee für einen Eintrag hatte schon vor einigen Tagen. Findet sich unten in den Kommentaren. Aus aktuellem Anlass möchte ich einen weiteren Begriff als Propaganda markieren: erdbebensicher.

Erdbebensicher gibt es nicht. Die Richterskala ist nach oben offen. Was ein Bauwerk aushält, ist jeweils das, was man als stärkstes mögliches Beben so annimmt. Der jetzt in Japan havarierte Reaktor Fukushima 1 war ausgelegt für Erdbeben bis zu einer Stärke von 8,4. Erdbebensicher war das erwiesenermaßen nicht, aber es wurde so bezeichnet. Ein klarer Fall von Propaganda.

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Written by Maritta Strasser

12. März 2011 at 5:44 pm

Veröffentlicht in Grundlagen

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Idee: Web 2.0 auf Papier

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Hier bin ich über die Idee gestolpert, den Lokalteil von Regionalzeitungen zu einer „Bürgerplattform“ umzuarbeiten, also von den Vereinen, Initiativen, regionalen Unternehmen, etc. eingereichte Artikel und Veranstaltungshinweise unredigiert zu übernehmen und zu drucken. Eine Art Social Media auf Papier.

Hundertprozentig neu ist die Sache nicht, denn die Gratis-Zeitungen und Anzeigenblätter sind im Grunde nichts anderes, auch wenn sie nicht direkt via Redaktion, sondern über so genannte Materndienste befüllt werden. Materndienste sind unter Kommunikationsverantwortlichen immer noch ein Geheimtipp, dabei sind sie so praktisch und effizient, und obendrein unschlagbar günstig. Sie erreichen halt nur eine relativ spezielle Zielgruppe, böse ausgedrückt die Oma, die Anzeigenblätter liest. Wie das wohl mit den Bürgerportalen wäre? Spannende Frage…

Written by Maritta Strasser

17. September 2010 at 11:28 am

Die Web 2.0 Sinnfrage

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Das Mitmach-Web, oder wie es jetzt schicker heißt, Social Media, wird zwar allenthalben als Chance gerühmt, in der Realität dann aber doch weitgehend als Zumutung empfunden. Vor allem von den Berufen, die sich mit Kommunikation professionell beschäftigen. Dass Journalisten deren Konkurrenz fürchten ist ein stehender Topos vieler Blogger und trägt nicht wenig zu deren Selbstbild als Schrecken der etablierten Medien bei. Aber auch Pressesprecher und Marketing-Verantwortliche stöhnen. Nicht auch noch das!

So las ich gestern bei Xing den Diskussionsbeitrag des Pressesprechers eines Landkreises, der es ganz gut auf den Punkt bringt. Er fragt: „Hat es wirklich Sinn und konkreten Nutzen, PR über derartige Portale zu betreiben – oder ist das angebliche Vordringen des Social Webs in die PR-Kommunikation ein aus Eigennutz aufgebautes Szenario von Seminaranbietern in diesem Bereich?“

Die Lebensklugheit lehrt, dass überall dort, wo sich neue Trends auftun reihenweise Scharlatane unterwegs sind die Unausgegorenes als State of the Art zu teuer verkaufen. Es müsste schon sehr verwundern, wenn das bei Social Media Beratung nicht der Fall wäre. Aber bedeutet das, dass der gesamte Hype um Web 2.0 ein Popanz ist, dass es also einfach reicht, den Trend vorübergehen zu lassen und so weiterzuarbeiten wie bisher?

Bei Social Media ist es wie bei jedem anderen Kommunikationskanal auch: Es gilt sorgsam nach Zielgruppen zu differenzieren und die einzelnen Instrumente dementsprechend auszuwählen. Dann ist das auch kein Popanz.

Zielgruppe Journalisten: Wir haben inzwischen eine ganze Reihe von Beispielen, dass Berichterstattung aus den Blogs in die Massenmedien überschwappt und dort veritable Erregungswellen auslöst. Die Geschichte des Rücktritts des ehemaligen Bundespräsidenten Köhler ist ein hervorragendes Beispiel, vor allem weil der Ort der ursprünglichen Diskussion ein ganz unbekanntes Blog war. So genannte A-Blogger griffen das dann auf, und danach die Massenmedien.

Folgt daraus, dass Kommunikationsverantwortliche unbedingt selber bloggen sollten? Nicht unbedingt. Aber daraus folgt, dass sie Blogs monitoren müssen. Und dass zumindest fachlich / regional relevante Blogger auf ihren Presseverteiler gehören.

Was ist mit anderen Kanälen wie Facebook, Youtube und Twitter? Hier gilt mehr oder weniger, dass diese der direkten Kommunikation mit dem Kunden / Wähler / Mitglied … dienen, und eben eine Alternative zur Erreichung dieser Zielgruppen über die Gatekeeper aus dem professionellen Journalismus darstellen. Überlegen Sie, ob das nicht langfristig ein gutes zweites Standbein Ihrer Kommunikation wäre, und was Ihnen die Möglichkeit wert ist, Ihre Botschaft direkt und unverfälscht platzieren zu können. Im Fall von Krisenkommunikation spätestens, glaube ich, werden Sie die Instrumente wohl benötigen. Oder Teile davon.

Um einzuschätzen, welche Zielgruppen Sie auf diesem Weg der Direktkommunikation wie gut erreichen ist die ARD/ZDF Onlinestudie von großem Wert (das ist auch keine Studie von irgendwelchen Agenturen, die erkennbar nur nachweisen wollen „bucht mich!“).

http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/

Mein Fazit: Social Media wird irgendwann unumgänglich. Wahrscheinlich eher schneller als wir heute erwarten.

Was natürlich die Unlust, sich mit Social Media überhaupt zu beschäftigen, nicht verschwinden lässt, die gespeist wird aus einem Gefühl der Überforderung. Helfen könnte hier der Besuch eines Seminars, ein Workshop oder ein Coaching, möglichst ohne den Chef in der Nähe. Ein guter Trainer holt den Web 2.0-Muffel aus seiner Verzweiflung, eröffnet den Blick für die Chancen und Möglichkeiten und kann Spaß an der Arbeit mit den neuen Instrumenten vermitteln.

Also wäre mein Tipp: Wenn der Chef sagt, Sie sollten sich mal um dieses Multimedia-Dingens kümmern, tauchen Sie nicht ab. Nutzen Sie die Chance, ihm das Geld für einen Workshop aus dem Kreuz zu leiern. Das sollten Sie sich gönnen.

Written by Maritta Strasser

17. September 2010 at 10:24 am

Die Rolle des Rechtsanwalts bei der Krisenkommunikation

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Jan Mönikes ist ein kluger Kopf und zum Beispiel dank der Erfahrung mit seinem Mandanten Jörg Tauss weiß er, wovon er spricht. Dass ein Rechtsanwalt bei Krisenkommunikation mitunter unverzichtbar ist – und mitunter Grund für die Verschärfung einer Krise. Nichtsdestotrotz sollte jeder, der professionell mit Kommunikation zu tun hat, die rechtlichen Rahmenbedingungen kennen. Hier geht’s zu Jan Mönikes Folien: http://www.moenikes.de/ITC/wp-content/uploads/2010/06/Tagung-Krisenkommunkation-Moenikes.pdf

Written by Maritta Strasser

15. Juni 2010 at 4:01 pm

Wieso sprachfähig? Reden kann doch jeder

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Warum gibt es eigentlich Kommunikationsfachleute? Die böse Variante einer Erklärung ist: Weil die Leute, die Kommunikationsspezialisten engagieren, in Wahrheit schlechte Argumente haben. Sie brauchen Menschen, die diesen Zustand beschönigen, die systematisch Sand in die Augen der Öffentlichkeit streuen.

Die Lebenserfahrung zeigt, dass es solche Auftraggeber und deren Kommunikation reichlich gibt. Sie zeigt aber auch, dass deren Kampagnen oft relativ kurze Beine haben. Und wenn sie dann scheitern, ist der Effekt für das eigene Ansehen manchmal sogar negativ. Man kann auf Dauer eine Sache nicht als ihr Gegenteil „verkaufen“. Die Möglichkeit, mit Kommunikation zu täuschen ist begrenzt.

Und auf der anderen Seite gibt es Beispiele für Menschen mit unterstützenswerten Anliegen, die diese einfach nicht „über die Rampe“ bringen. Leute, die das Richtige falsch anstellen. Leute von denen man denkt: Wenn die die richtige Beratung hätten, dann wäre etwas gewonnen, nicht nur für einen kleinen Interessenhorizont, sondern auch für eine größere gesellschaftliche Debatte.

Sprachfähig zu sein ist nicht nur eine Sache der Worte. Es ist auch eine Frage der eigenen Haltung und der Selbstreflektion. Welchen Anspruch habe ich? Kann ich diesen Anspruch wirklich einlösen? Für wen außer mir ist das, was ich will von Bedeutung? Wie muss ich mich zu diesen Anderen verhalten? Dies zu durchdringen macht sprachfähig.

Und nur wenn wir sprachfähig sind, können wir überzeugen, Konflikte lösen, Gemeinsamkeit herstellen.  Unsere Sprachfähigkeit ist das, was eine Gesellschaft zusammenhält.

Die gute Nachricht ist: Sprachfähigkeit ist erlernbar und verbesserbar. Gute Beratung wird diesen Effekt haben und sich deshalb mittelfristig überflüssig machen.

Written by Maritta Strasser

9. Juni 2010 at 11:16 am

Veröffentlicht in Grundlagen