Sprachfähig

Ein Blog über die Tücken der politischen Kommunikation

Posts Tagged ‘Bild

Vom unverdienten Glück, nicht beschämt worden zu sein

leave a comment »

Im Netz ist viel von Judith Holofernes und ihrer fulminant guten Absage an die BILD-Zeitung zu lesen. Zu recht. Selten habe ich in weniger Worten treffenderes über diese Zeitung gelesen:

Die BILD -​Zeitung ist kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash-​Kulturgut und kein harmloses “Guilty Pleasure” für wohlfrisierte Aufstreber, keine witzige soziale Referenz und kein Lifestyle-​Zitat. Und schon gar nicht ist die Bild -​Zeitung das, als was ihr sie verkaufen wollt: Hassgeliebtes, aber weitestgehend harmloses Inventar eines eigentlich viel schlaueren Deutschlands.

Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument — nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.

Das ist richtig. Und es musste gesagt werden. Von jemandem, auf den die jungen Leute hören. Danke!

Aber Judith Holofernes teilt auch gegen die Agentur aus, Jung von Matt, die diese Anfrage an sie im Auftrag der BILD gerichtet hatte. Deren Mitarbeiter wüssten genau was sie tun, aber sie kümmerten sich nicht darum. Sehenden Auges würden sie das böse Spiel der BILD mitspielen.

Das erinnert mich an die Zeit, als ich in einer Agentur gearbeitet habe. Nicht Jung von Matt, aber eine andere, eine von den Großen der Branche. Und es lässt mich gruseln. Was ich damals machen musste, beinhaltete zum Beispiel die Verharmlosung der Atomkraft, gegen die eigene Überzeugung. Es war ein beschissenes Gefühl, ich beobachtete mich dabei, wie ich zynisch wurde. Ein zu hoher Preis für das Geld, und ein wichtiger Grund, weshalb ich die Agentur wieder verlassen habe. Obwohl Chef und Kollegen prima waren. Aber die Arbeit war es nicht.

Jetzt stelle ich mir vor, was wäre denn gewesen, wenn meine Agentur statt Jung von Matt den Auftrag einer Kampagne für die BILD gehabt hätte. Wenn ich diesen Brief an Judith Holofernes ausgeheckt, verfasst und abgesendet hätte. Wie furchtbar müsste ich mich jetzt schämen, wie bloßgestellt wäre ich! Und völlig zu recht.

Es ist reiner Zufall, dass diese Peinlichkeit nicht mir widerfahren ist, sondern einem unglücklichen anderen PR-Mäuschen oder -Jungelchen. Unverdientes Glück.

Es gibt Jobs, die sind ihr Geld nicht wert.

Advertisements

Written by Maritta Strasser

26. Februar 2011 at 2:46 pm